Altkleider entsorgen - gar nicht einfach

Kleiderschrank auf, alte Kleidung raus und einfach spenden. Wenn das so einfach w├Ąre.


Alles Altkleider oder was?


Altkleider zu entsorgen ist in Deutschland ein differenziertes Unterfangen. Zun├Ąchst einmal ist zu kl├Ąren, was Altkleider eigentlich sind. 

Kleidungsst├╝cke, Taschen und Schuhe

  • tragf├Ąhige saubere Kleidungsst├╝cke, wie z. B. Hemden, Hosen, T-Shirts, Pullover,
  • Socken, R├Âcke, Anz├╝ge, Woll- und Strickwaren, Unterw├Ąsche f├╝r Erwachsene und Kinder
  • H├╝te, M├╝tzen, Schirmm├╝tzen
  • Pelze, Kunstpelze
  • G├╝rtel, Handtaschen, Reisetaschen, Schulranzen
  • Schuhe, auch Kinderschuhe (paarweise zusammengebunden)

Haustextilien

  • Bettw├Ąsche, Tischdecken, Waschlappen, Handt├╝cher, Geschirrt├╝cher
Heimtextilien 
  • Sitzbez├╝ge, Sitzauflagen
  • Decken, Gardinen, M├Âbel- und Matratzenstoffe 
  • Bettwaren (Daunendecken, Steppdecken, Kissen etc.)
  • Teppiche

    Besonders interessant ist, dass es sich nicht nur um Kleidung handelt, sondern auch um Haus- und Heimtextilien. Dies d├╝rfte nicht allen Verbraucher*innen bekannt sein. 

     

    Fast Fashion und E-Commerce: Die Turbos des Altkleiderberges


    Wir produzieren haufenweise Altkleider. Die Ursachen sind unser Konsum aber auch die Kaufanreize, die Fast Fashion und E-Commerce schaffen.

    Fast Fashion ist ein Gesch├Ąftsmodell der Modebranche, bei der Kollektionen andauernd ge├Ąndert werden. Zara bringt j├Ąhrlich bis zu 24 Kollektionen, der Moderiese H&M 14 Kollektionen pro Jahr heraus. Durch die Corona-Pandemie aufgehobene Kollektionen landen in den L├Ągern der Modeunternehmen oder werden wom├Âglich sogar weggeworfen.

    Die Filialen der Moderiesen expandieren ebenfalls, sieht man einmal von der Pandemie ab. Das sorgt auch f├╝r ein erh├Âhtes Kaufvolumen bei den Konsument*innen und somit f├╝r mehr Anfall von Altkleidern. Verbraucher*innen kaufen j├Ąhrlich 12 bis 15 kg Kleidung. Fast Fashion und dazu E-Commerce verursachen Berge von Billigkleidung, die zunehmend einen h├Âheren Anteil an Chemiefasern aufweisen. Kunststoffe, wenn sie in den Boden, in Fl├╝sse und Ozeane gelangen zerst├Âren jedoch unsere Umwelt, da sie nur schwer bis gar nicht abbaubar sind. Durch Reste bei jedem Waschgang gelangen kleine und kleinste Partikel ins Abwasser.


    Containerklappe zu, alles erledigt? Der lange Weg der Altkleiderentsorgung


    Das Recycling der Altkleider findet bereits bei deren Entstehung statt. Werden Alttextilien genutzt? Gibt es einen hohen Anteil an Naturfasern? Das sind Fragen, die sich Konsument*innen stellen sollten. 

    Die Sammlung von gebrauchten Kleidern/Heimtextilien erfolgt oft ├╝ber Container. Doch Vorsicht, es stellen auch unseri├Âse Unternehmen Beh├Ąlter auf! Gut zu erkennen sind sie z. B. dadurch, dass sie kein Logo der seri├Âsen Textilsammler aufweisen, die gemeinn├╝tzige Zwecke verfolgen. Diese Siegel findet ihr hier.

    Neben den Containern gibt es auch Stra├čensammlungen und Sozialkaufh├Ąuser, die Altkleider annehmen. Gewerbliche und kommunale Institutionen sind die Akteure dieser Kollekten. Es fallen jedoch mehr Altkleider an, als in Deutschland f├╝r soziale Zwecke gebraucht werden. Deshalb werden auch von seri├Âsen Unternehmen Altkleider ins Ausland exportiert. Auf den Export von Altkleidern kommen wir noch einmal zur├╝ck. 

    Die gesammelten Altkleider werden nach dem Leeren der Container dann beim Sammler erst einmal nach Art und Qualit├Ąt sortiert. Dabei erfolgt trotz moderner Technologien die Sortierung ├╝berwiegend h├Ąndisch, da aktuell noch eine hohe Fehlerquote bei der maschinellen Sortierung in die jeweiligen Klassen vorliegt. Laut dem Statusbericht der Kreislaufwirtschaft 2020 tr├Ągt ÔÇťDie Qualifizierung und das Know-how der Mitarbeiter*innen {...} neben der eigentlichen Zusammensetzung und Qualit├Ąt der Sammelware sowie der Marktnachfrage in bedeutendem Umfang dazu bei, wie viele Gebrauchttextilien tats├Ąchlich in ihrer urspr├╝nglichen Form als Secondhandware weitergenutzt werden k├Ânnen.ÔÇŁ Aus diesem Grund landen Altkleider auch nicht ausschlie├člich kostenfrei bei Bed├╝rftigen, denn die Sortierung kostet Geld.

    Was mit den gesammelten Altkleidern anschlie├čend passiert setzt sich wie folgt zusammen:


    62 % werden in urspr├╝nglicher Form (z. B. Altkleider) weiterverwendet, 

    14 % z. B. zu Putzlappen verarbeitet, 

    12 % z. B. f├╝r Rei├čspinnstoffindustrie (z. B. D├Ąmmmaterial f├╝r Autos) genutzt, 

    8 % als Ersatzbrennstoff verwendet und 

    4 % als M├╝llanteil verbrannt.


    Textilexport - wohin und mit welchen Folgen?


    Die Menge an gesammelten Alkleidern f├╝r soziale Zwecke und f├╝r den Secondhandverkauf ├╝bersteigt allerdings den Bedarf in Deutschland um ein Vielfaches. Daher werden Altkleider auch nach Afrika, Asien und Osteuropa exportiert und dort zu g├╝nstigen Preisen verkauft. Dort leben viele Menschen vom Verkauf der Textilien. Es werden in den Exportl├Ąndern Jobs geschaffen aber auch zerst├Ârt. In Ghana wurden zwischen 1977 und 2000 rund 20.000 Arbeitspl├Ątze allein durch den Altkleiderimport vernichtet. 


    Die Zukunft: Kollaps oder bessere Verwertung


    Durch zunehmende Digitalisierung in den Exportl├Ąndern steigt auch dort das Bed├╝rfnis nach neuen Modetrends. Importverbote, Zollerh├Âhungen, W├Ąhrungsschwankungen und Devisenknappheit stellen neue Herausforderungen f├╝r exportierende Unternehmen und gemeinn├╝tzige Verb├Ąnde dar. Schwankende Bankgeb├╝hren und sinkende Rohstoffpreise belasten den Export der Altkleider ebenfalls. 2025 soll eine EU-Novelle in Kraft treten, die europaweit zu einem Anstieg von Altkleidern f├╝hren kann, da zu geringe Verwertungsm├Âglichkeiten f├╝r diese vorhanden sind. Die Novelle zielt darauf ab, die Altkleider getrennt zu erfassen, ├Ąhnlich wie bei der M├╝lltrennung. Nach Meinung von Andreas Voget, Gesch├Ąftsf├╝hrer von Fairwertung e.V., kann diese EU-Novelle ÔÇťzum endg├╝ltigen Kollaps des bisherigen Systems f├╝hren.ÔÇŁ

    Ob Kollaps oder bessere Verwendung von Bekleidung, Altkleider stellen eine Herausforderung f├╝r uns alle dar.  Ein gutes Leitmotiv, das sich immer mehr verbreitet ist: Reduce, Repair, Recycle! Weniger kaufen, mehr reparieren und falls nichts mehr zu retten ist, richtig recyceln bzw. entsorgen.